Das Buch zum Thema:

Alejandro Jodorowsky, Marianne Costa: Der Weg des Tarot

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Das Kartenset:

Tarot de Marseilles - premium Edition

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Diashow
zum Prozess der Restaurierung (auf Französisch)

Der Magier - Tarot de Marseilles

Tarot-Karte "Der Magier",
© Camoin/Jodorowsky


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Der Weg des Tarot

Mit sieben Jahren hatte Alejandro Jodorowsky zum ersten Mal Kontakt mit den Tarotkarten: Im Schrank seiner Mutter fand er das große Arkanum „Der Wagen“, umzüngelt von handgemalten Flammen – seine Großmutter hatte die Karte intakt in der Brusttasche seines Großvaters gefunden, der bei einem Brand gestorben war. Seither übten die Karten eine Faszination auf ihn aus, immer wieder spielten sie eine Schlüsselrolle in seinem Leben und prägten seine Kunst. Jodorowsky wurde zum Sammler verschiedener Tarot-Decks und erklärte schließlich die Karten selbst zu seinem Lehrmeister. Schon früh wählte er für sich den Tarot de Marseille, in der Version, die Paul Marteau in den 1930er Jahren mit einigen Modifikationen veröffentlicht hatte.

Tarot-Begegnungen

1993 bat ein gewisser Philippe Camoin Jodorowsky um ein Treffen. Er hatte mehrere Jahre in völliger Isolation gelebt, nachdem sein Vater, Inhaber der Spielkartenfabrik, die seit 1760 den Tarot de Marseille druckte, bei einem Unfall ums Leben gekommen war und die Familie ihr Unternehmen verloren hatte. Um Philippe wieder in die Welt zu integrieren, trug Jodorowsky ihm auf, eine möglichst ursprüngliche Fassung des Tarot de Marseille zu rekonstruieren. Aus dem psychomagischen Akt erwuchs eine jahrelange Zusammenarbeit, in der die beiden in Museen und Sammlungen nach alten handgemalten Exemplaren fahndeten. Ergebnis ist der restaurierte Tarot de Marseille – die elf Farben, die ihn vor Erfindung des Vierfarbendrucks im 19. Jahrhundert schmückten, sind ebenso wieder hergestellt wie feine Details, die im Lauf der Zeit von Kopie zu Kopie verloren gegangen waren. Für Jodorowsky war es eine Revolution: Er musste sich von einigen liebgewonnenen Deutungen verabschieden, an die er sich mit den Jahren gewöhnt hatte, die aber mit den ursprünglichen Symbolen der Karten nicht vereinbar waren. An dem Tag, als er bei seiner traditionellen Mittwochs-Lesung in Paris zum ersten Mal komplett mit dem restaurierten Tarot de Marseille arbeitete, war Marianne Costa im Publikum: Sie wurde seine Partnerin, Gefährtin beim Kartenlegen und Co-Autorin seines großen Tarot-Buchs.

Kartenlegen als Kunst

„Der Weg des Tarot“ ist die Quintessenz von Jodorowskys jahrzehntelanger Beschäftigung mit der Bildsprache dieser Karten. Er hat sie auswendig gelernt, sich vorgestellt, wie die einzelnen Bilder jenseits des Kartenrandes weitergehen, wie die einzelnen Figuren sprechen würden, welche Unterwäsche sie tragen. Und war sich immer im Klaren, dass dieses Werkzeug mit Vorsicht einzusetzen ist: Der Deuter sagt nicht die Zukunft voraus, nein, er unterstützt den Ratsuchenden, die Karten als Spiegel seiner Seele zu lesen, zu ergründen, wo er in diesem Augenblick steht und daraus Erkenntnisse für den künftig einzuschlagenden Weg zu ziehen.

Lehrwerk und Inspiration

Das Buch hat fünf Teile, denen Jodorowsky jeweils eine persönliche Einleitung voranstellt. Der erste untersucht Struktur und Numerologie des Tarots – Grundlage, um fundiert mit den Karten arbeiten zu können, gerade auch mit den auf den ersten Blick unzugänglich erscheinenden kleinen Arkana. Der zweite beschäftigt sich eingehend mit den großen Arkana. Die 22 Archetypen werden im Detail beschrieben und analysiert, und Alejandro Jodorowsky legt ihnen jeweils individuelle Rede in den Mund. Teil 3 ist den kleinen Arkana gewidmet. Schwerter, Stäbe, Kelche und Münzen werden den vier essentiellen Daseinsbereichen des Menschen zugeordnet: intellektuelle, sexuell-schöpferische, emotionale und materielle Ebene. Ab dem vierten Teil geht es um die Deutung der Karten, zunächst in Zweierpärchen, im fünften Teil in immer komplexeren Anordnungen, die vielfältige Herangehensweisen an Fragestellungen ermöglichen. So gibt es eine Poker-Legung, eine der Heldenreise nachempfundene Legung, eine freie künstlerische Legung oder eine zum Aufdecken von Projektionen. Zum Abschluss gibt Jodorowsky einen kompakten Überblick über sein „tarotisches Denken“ – ein eindrucksvolles Zeugnis eines Meisters auf seinem Gebiet, der in einem jahrelangen, oft auch schmerzlichen Prozess zu seiner persönlichen Praxis des angewandten Mitgefühls gefunden hat.

Wenn der Magier sprechen würde...

„Ich bin im Augenblick. Welche Handlung ich auch in Angriff nehmen will, die Stunde des Anfangs ist gekommen. Meine ganze Zukunft ist in Ansätzen in den Entscheidungen enthalten, die ich in diesem Moment treffe. Macht es wie ich: Betrachtet all die Augenblicke, in denen ihr nicht ihr selber seid, in denen ihr nicht im Hier und Jetzt lebt, im Moment der Ewigkeit und am Ort des Unendlichen. Worauf wartet ihr? Macht euch von diesem unnützen Ballast, den Resten der Vergangenheit frei, und von der Zukunftsangst. Ich verkörpere die Energie, die wir Bewusstsein nennen. Ich bin ganz hier im Augenblick, in diesem Körper, inmitten anderer Körper, in einem bestimmten Raum und einer bestimmten Zeit. (...)

Ich, der Magier, lasse mich im Kreuzpunkt der Ewigkeit und der Unendlichkeit nieder, den wir Gegenwart nennen. Ich bin all dem treu, was ich bin: meinem Körper, meiner Intelligenz, meinem Herz, meiner schöpferischen Kraft. Mein fleischfarbener Tisch steht mit drei Beinen fest auf dem Boden, ich verwurzele mich in einem Teil der Vielfalt und von diesem Punkt aus handele ich. Aus der Unendlichkeit der Möglichkeiten wähle ich eine, meine Goldmünze, den Antriebspunkt, der mich zur Gesamtheit führt.“

Leseprobe aus „Der Weg des Tarot“