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Buchtipps zum Thema:
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Windpferd 2005, 3. Auflage
Padma 28
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Windpferd 2002, 2. Auflage
Das tibetische Heilbuch
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Dr. Wolfgang Windmann
Mumijo
Filmtipp:
„Das Wissen vom Heilen“, preisgekrönter Dokumentarfilm von Franz Reichle
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Tibetische Medizin
Im tibetischen Medizinsystem sind Anteile des altindischen Ayurveda, der traditionellen chinesischen Medizin, einer altgriechisch-persischen Medizin sowie der zugrunde liegende Schamanismus des alten Bön-Tibet in einer einzigartigen Weise mit den spirituellen Werten der buddhistischen Kultur zu etwas völlig Neuem verwoben. Aus dieser Synthese heraus hat die Tibetische Medizin eine vollständig neue Form angenommen. In dieser altüberlieferten Wissenschaft des Heilens sind viele Momente der tiefenpsychologisch-energetischen Betrachtungsweise in einer Weise integriert, die im Westen erst im Laufe des 20. Jahrhunderts entdeckt wurden und immer noch ihresgleichen suchen.

Medicine Buddha Sangye Menla
Gleichgewicht der Elemente
Wie das gesamte Universum, so besteht aus tibetischer Medizinlehre der Körper aus vier beziehungsweise fünf „Elementen“: Erde, Wasser, Wind (Luft), Feuer und Raum, der alles durchdringt. Jedes dieser Elemente übt einen ganz bestimmten Einfluss auf die Lebensfunktionen des Körpers aus. Krankheiten treten durch ein Ungleichgewicht der drei Körperenergien oder Körpersäfte „Wind“, „Galle“ und „Schleim“ in Erscheinung. Diese Begriffe sind allerdings nicht im westlichen Sinn zu verstehen, sondern sie bezeichnen verschiedenste Abläufe im menschlichen Organismus. So symbolisiert „Wind“ die Bewegung des Körpers und ist verantwortlich für Sprache und Atmung. „Galle“ steht für die Wärme des Körpers und reguliert die Verdauung. Mit „Schleim“ sind die Flüssigkeiten gemeint, durch welche der Organismus „läuft wie geschmiert.“ Therapieziel ist immer, das Gleichgewicht zwischen diesen drei Körperenergien zu erhalten oder wiederzuerlangen. Die Einteilung in Kälte- und Hitzekrankheiten ermöglicht weitere Rückschlüsse auf das Woher und Warum einer Störung. Dabei gelten Ungleichgewichte der Energien Wind und Schleim als Kälte-, Gallestörungen und „unreines Blut“ dagegen als Hitzekrankheiten. Diese, natürlich stark vereinfachte, Darstellung macht hinreichend deutlich, dass die Tibetische Medizin als holistisches System nicht nur die Symptome eines Leidens, sondern seine eigentlichen Ursachen zu behandeln sucht.
Diagnose und Therapie
Tibetische Ärzte praktizieren als grundlegendes Diagnosemittel eine spezielle Technik der Pulstastung. Meister ihres Faches können bis zu 48 verschiedene Pulsqualitäten unterscheiden. Wenn ein tibetischer Arzt den Handgelenkspuls seines Patienten „liest“, beurteilt er damit unter anderem den Blutfluss, welcher mit der Windenergie in Verbindung steht. Da die Energie Wind das alles bewegende Prinzip des Körpers ist, kann so der Zustand aller Organe und die Art der vorliegenden Säftestörung erkannt werden. Auch die seelisch-geistige Verfassung des Kranken spiegelt sich in seinen „Säften“ wider. Es ist hier verblüffend, zu sehen, wie ein westlicher Mediziner nach aufwändigen Untersuchungen zum selben Resultat gelangt wie sein tibetischer Kollege nach 2–3-minütiger Pulstastung.
Tibetische Heilmittel
Die Tibetische Medizin kennt verschiedenste Ingredienzen zur Herstellung innerer Heilmittel: Pflanzen, Bäume, Harze, Mineralien und Erden, Edelmetalle und vieles mehr. Nach den universellen Gesetzen kann buchstäblich alles, was existiert, zum Heilmittel werden. Zu 95 % basieren die überlieferten Arzneiformeln jedoch auf Pflanzenmaterial. Als sanfteste Art der Behandlung gilt in der Tibetischen Medizin jene mit Dekokten (Abkochungen pulverisierter Pflanzen); es folgen Pulver, Sirups und schließlich gepresste Kräuterpillen.
Kräuter- und Juwelenpillen
Die für tibetische Arzneimittel benötigten Pflanzen werden überwiegend im Hochhimalaya gesammelt und je nach Standort auf ihr spezifisches Wirkstoffprofil hin beurteilt. Beispielsweise haben in der Sonne und in tieferen Lagen gewachsene Pflanzen wärmende oder erhitzende Eigenschaften. Sie werden demnach bei Kältestörungen eingesetzt. Schattenpflanzen und solche aus großer Höhenlage wirken dagegen kühlend, heilen also Hitzestörungen. Auch die Sammelzeit, der Verarbeitungsprozess und sogar astrologische Einflüsse spielen ebenso eine Rolle wie die Tatsache, welche Pflanzenteile man verwendet. In Lhasa und Dharamsala erfolgt die Herstellung Kräuterarzneien streng nach der alten Überlieferung. Gute Wirkung und Verträglichkeit sind hier garantiert. Das Hauptproblem stellen nach wie vor die begrenzten Rohstoffquellen und die schwierige Finanzlage beider Zentren dar.
Juwelenpillen:
Eine Besonderheit der Tibetischen Medizin sind die Juwelenpillen oder „Wertvollen Pillen“ (engl.: precious pills). Sie werden einerseits zur Erhaltung der Gesundheit genommen; andererseits können diese Arzneien, da sie immunstärkend und aufbauend wirken, alle Arten von Störungen heilen. Anders als bei gewöhnlichen Kräuterpillen werden die Heilpflanzen für Juwelenpillen nicht getrocknet, sondern zu einem Brei gekocht und mit Schwefel, pulverisierten Edelsteinen, Mineralien und Metallen versetzt. Der im Westen geforderten Arzneimittelsicherheit ist hier kaum Genüge zu tun, weshalb der generelle Vertrieb nicht erlaubt sein kann. Juwelenpillen müssen nach entsprechender Diagnose durch einen in tibetischer Medizin ausgebildeten Arzt verordnet werden und sollten aus verlässlicher Quelle stammen! In Dharamsala werden derzeit sieben Arten von Juwelenpillen hergestellt, die zwischen 25 und 165 Einzelbestandteile enthalten. Sie tragen ein spezielles Gütesiegel. Wertvolle Pillen sind in alten tibetischen Quellen als Medizin für die neu auftretenden Krankheiten kommender Generationen genannt worden. Tatsächlich hat Dr. Tenzin Choedrak, der ehemalige Leibarzt des Dalai Lama und Überlebende des chinesischen Massakers, die Wirkung von Juwelenpillen mit großem Erfolg an Opfern der Tschernobyl-Katastrophe erprobt. Aids-Patienten könnten ebenfalls von Juwelenpillen profitieren. Allerdings ist die Erzeugung dieser hochwertigen Arzneien aufgrund fehlender Rohstoffe und Finanzmittel derzeit nur in begrenztem Umfang möglich. Auch erlaubt das komplizierte, teilweise immer noch geheime Herstellungsverfahren keine wirkliche Massenproduktion.
